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People-Fotografie: Kommunikation ist Alles

Ein Fotoshooting mit Menschen vor der Kamera ist immer auch eine zwischenmenschliche Beziehung. Kommunikation ist Alles. Hier bekommst du ein paar Tipps dazu.

Oder wie man auf gut Deutsch sagt: Communication solves all things.

Um ein guter Fotograf zu werden, muss man nicht nur das Fotografieren lernen. Wenn du Menschen fotografierst, gibt es viel wichtigere Faktoren als dein Equipment und die Technik dahinter. Für mich ist “People-Fotografie”, wie es so schön im neudeutschen Jargon heißt, 10% Technik und 90% Psychologie. Ja, das habe ich vor Jahren mal irgendwo so ähnlich gelesen und finde, es passt zu meiner Art, zu fotografieren und mit Menschen umzugehen.

Nicht falsch verstehen: Natürlich solltest du trotzdem dein Kamerahandbuch lesen, die Basics wie Blende, Verschlusszeit, ISO, Schärfentiefe und natürlich jede Menge über Licht lernen. Ohne die physikalischen Grundlagen wirst du Fotografie nie beherrschen.

Hier soll es jetzt mal weniger um Technik und ähnlichen Quatsch gehen, als vielmehr um die menschlichen Aspekte bei der Arbeit mit Menschen (die Fotografie von Menschen). Auch das ist eine Wissenschaft.

Ich bezeichne mich nicht als Experte. In der Welt der Fotografie gibt es keine Experten. Jeder hat seine eigene Sichtweise, seine eigenen Erfahrungen. Und genau das versuche ich hier weiterzugeben: meine Erfahrungen. Als Motivation für dich, als Anregung, als Gedankenanstoß, was auch immer du damit anfängst.

DU bist verantwortlich!

Du bist der Haupt-Verantwortliche dafür, wie dein “Model” vor der Kamera aussieht, wie es wirkt, wie das Foto wird. Du brauchst als Fotograf eine genaue Vorstellung davon, was du umsetzen möchtest. Im Idealfall hast du das fertige Bild bereits genau im Kopf. Du bist Drehbuchautor, Regisseur und Choreograf in einer Person. Du achtest auf Kleidung, Pose, dass die Haare sitzen, die Mimik so ist, wie sie in deinem fertigen Bild aussieht. Deine Aufgabe ist es, genau das alles zu kommunizieren. Und zwar professionell. Und nicht – wie oft zum Beispiel in Facebook-Gruppen gesehen – nachher rumjammern, das Model wäre ja noch Anfängerin gewesen oder hätte “einfach nichts draufgehabt”. Das muss sie nicht! Du bist der Mann/die Frau der Stunde des Shootings! Da musst du mehr drauf haben als nur Zahnbelag.

Womit wir dann beim Thema wären: Nicht jeder Fotograf ist so extrovertiert, dass er seine Ideen und Vorstellungen klar kommunizieren kann, um dann letztendlich zu einem Ergebnis zu kommen, womit er mehr als zufrieden ist und worauf er stolz ist.

1. Arbeit mit Menschen ist Team-Work

Menschen sind keine Objekte. Menschen sind lebendig, sie atmen, sie agieren, sie reagieren, sie haben Emotionen. Ohne Menschen funktioniert Menschen-Fotografie nicht. Klingt logisch? Isses auch. ;-)

Zusammenarbeit mit Menschen war für mich nicht immer selbstverständlich. Team-Work erst recht nicht. Und das, obwohl ich eigentlich unter anderen Psychologische Diagnostik studiert habe – oder vielleicht gerade deswegen. Aber ich war auch ein Einzelkind. Zur Not ist also an allem meine Kindheit schuld. Mein Vater hatte seine Grundsätze und seine Prinzipien. Eines davon war:

Frage niemanden um etwas, dann musst du auch nicht Danke sagen.

Papa

Den Wert der Zusammenarbeit musste ich durch viele Misserfolge und die Erkenntnis lernen, dass manche Arbeit effektiver und leichter gewesen wäre, wenn ich Hilfe gehabt hätte.

Zusammenarbeit hilft, Probleme schneller zu lösen. Sie kann auch zu ganz neuen und kreativen Ideen führen. Zusammenarbeit hilft den Menschen, voneinander zu lernen. Zusammenarbeit erzwingt Kommunikation.

Als sich meine berufliche und auch private Tätigkeit als Fotograf weiterentwickelte und ich begann, Porträts und Hochzeiten zu fotografieren, lernte ich sehr schnell, wie wichtig gute zwischenmenschliche Beziehungen und Kommunikation sind. Menschliche Motive brauchen viel mehr Aufmerksamkeit und Kommunikation, Führung und Verständnis, als Objekte.

2. Es geht nicht nur um Fotos – Persönlichkeit zählt

Wenn Sie beim Fotografieren von Menschen die richtigen Persönlichkeitsmerkmale zeigen, wird Ihre Arbeit leichter und Ihre Arbeit besser.

Aus der Psychologie weiß man, dass Menschen dazu neigen, sich eher zu kontaktfreudigen und extrovertierten Menschen hingezogen zu fühlen. Diese Menschen neigen dazu, im Leben erfolgreicher zu sein. Aber als Fotograf habe ich festgestellt, dass es ein noch wertvolleres Persönlichkeitsmerkmal gibt.

Ich habe gelernt, dass das wichtigste Persönlichkeitsmerkmal, Leute anzuleiten und zu führen, Einfühlungsvermögen ist. Sicherlich wissen die meisten, was dieses Wort bedeutet, aber ich möchte hier deine Erinnerung nochmal auffrischen: Einfühlungsvermögen ist die Fähigkeit, die Gefühle eines anderen zu verstehen und zu teilen. Beobachten, zuhören, Fragen stellen, neugierig sein.

Ich habe das Glück, dass Neugier in meiner DNA liegt. Ich habe festgestellt, dass selbst die schüchternsten Menschen gerne über sich selbst sprechen, selbst wenn du schwierige Fragen stellst. Vorausgesetzt, dass die Fragen mit echter Neugierde und Einfühlungsvermögen für die Situation der Person gestellt werden. Als ich mir das zur Gewohnheit machte, wurde mir klar, dass ein paar einfache und aufrichtige Fragen eigentlich die Art sind, wie jedes Date normalerweise beginnt. In der Tat ist das Fotografieren von Menschen auch eine Beziehung.

Wenn man Porträts fotografiert oder Modelle fotografiert, ist es wichtig, zu verstehen, dass niemand ein schlechtes Bild von sich selbst haben will. Jeder hat zumindest ein wenig Angst davor, sich vor eine Kamera zu stellen. Wenn wir das verstehen, verändert sich auch die Art und Weise, wie wir kommunizieren. Wir können uns in die Situation unseres Gegenübers “einfühlen”. Wenn ich Modelle posiere, muss ich bei meiner Arbeit sehr genau verstehen, was es braucht, um diese Pose einzunehmen. Vor allem dann, wenn ich selbst gar nicht in der Lage wäre, diese Pose vorzumachen.

Kurz gesagt: Versetze dich in die Lage deines Gegenübers und behandele ihn/sie so, wie du selbst gerne behandelt werden würdest.

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3. Kommunikation ist Alles

Die Fähigkeit, positiv und vor allem effektiv zu kommunizieren, ist eine wichtige Kompetenz und eine Fähigkeit, die für die meisten Aspekte des Lebens unabdingbar ist – nicht nur für das Fotografieren von Menschen.

Leider ist dies eine Fähigkeit, die den meisten Menschen nicht leicht fällt. Viele kreative Menschen neigen dazu, schüchtern oder introvertiert zu sein, daher braucht es viel Mühe und vor allem Übung, diese Fähigkeit auch umsetzen zu können.

Kommunikation ist mehr ist als nur die Worte, die du sprichst. Der Tonfall deiner Stimme und die Art, wie du deine Worte sagst, haben Einfluss darauf, wie dein Gegenüber sie aufnimmt. Die Absicht hinter deinen Worten – das “WARUM” – wirkt sich darauf aus, wie die Botschaft empfangen wird und wie sich dein Thema dadurch anfühlt. Auch “WANN”, du etwas sagst, hat eine Wirkung, und manchmal spricht das, was du nicht sagst, Bände. Ergänzend zu deinen Worten spricht deine Körpersprache, die deine Mimik, Gestik und die ganze Körperhaltung einschließt, Bände über deine Absicht und über deinen Respekt oder Mangel daran für dein Thema.

Ein großer Fehler ist es, wenn ein Fotograf anfängt, einen Fachjargon zu verwenden, der nur dazu dienen kann, einen unbedarften Menschen vor der Kamera, der ja in den meisten Fällen kein Fotograf ist, zu verwirren oder einzuschüchtern. Ein guter Fotograf wird sich daran erinnern, NICHT als Fotograf zu kommunizieren, sondern als einfühlsamer Mensch. Deinem Probanden zu sagen, dass er in das Key-Light schauen soll, ist keine gute Kommunikation und keine gute Zusammenarbeit. Wenn du das “WARUM” einbeziehst und erklärst, ändert sich alles. Erkläre deinem Gesprächspartner, welches das Key-Light ist, und sage ihm, dass das Key-Light das Licht ist, das das Hauptlicht für sein Gesicht darstellt. Lass ihn wissen, dass das Licht, wenn er darauf schaut, ihn am besten aussehen lässt und dass es die “positiven” Gesichtszüge hervorhebt. Indem du diese Informationen weitergibst, bringst du deinem Kunden/Model etwas bei und baust gleichzeitig seine Ängste ab. Du gibst ihm Wissen an die Hand und machst ihn so zu einem bereitwilligen und eifrigen Mitarbeiter, der ein großes Interesse am Ergebnis seiner Fotos hat.

Kurze Anweisungen, wie z. B. “die Hand mehr über den Kopf” oder “weniger nach links” bringen selten gute Ergebnisse. Sie verunsichern eher. Gib präzise Anweisungen: “Bewege deine rechte Hand nur ein wenig” oder “Neige deinen Kopf leicht nach links.”. Das funktioniert.

Nicht zu vergessen ist auch, dass das Verstecken hinter irgendetwas immer die Kommunikation erschwert. Die fette DSLR mit dem riesigen 70-200mm-Zoomobjektiv mit Stativschelle schüchtert nicht nur ein, sie blockiert dein Gesicht vollständig. Denke daran, hinter der Kamera hervorzuschauen, wenn du kommunizierst. Je mehr du die Kamera aus dem Gespräch entfernst, desto entspannter wird dein Gesprächspartner.

4. Sei ein aktiver Zuhörer

Das gehört eigentlich dazu und ist ein Teil der Kommunikation. Ein aktiver Zuhörer zu sein, macht dich zu einem besseren Fotografen. Wie gut zuhören kannst, wird einen großen Einfluss auf die Qualität deiner Beziehung zu deinen Motiven haben. Klingt wie bei der Paar-Therapie? Ist auch eigentlich nicht soooo viel anders. Zwischenmenschlich halt.

Ein einfacher Fakt ist, dass du nicht zuhörst, wenn du sprichst. Ich gebe zu, dass dies lange Zeit eine echte Herausforderung für mich war, wo ich doch so gerne meine Kunden oder Models vollquatsche. Zuhören ist etwas, das man auch dann tun muss, wenn man noch gar keine Frage gestellt hat. Aktives Zuhören bedeutet auch, dass der Zuhörer das Verhalten und die Körpersprache des Sprechers beobachtet.

5. Achte auf Körpersprache

Und zwar sowohl auf die deines Gegenübers als auch auf deine eigene. Nonverbale Botschaften wie Körperbewegungen, Gesichtsausdrücke, der Ton deiner Stimme und deren Lautstärke und andere Signale werden kollektiv als Körpersprache bezeichnet. Die Fähigkeit, die Körpersprache einer Person zu interpretieren, hilft dir, ein exakteres Verständnis der Botschaft der Person zu entwickeln.

Man sagt, dass Wissen Macht ist. Ich stelle mir Wissen gerne als Verstehen vor. Das heißt, wenn ich auf meinen körperlichen und verbalen Ausdruck – die Körpersprache – achte, kann ich meine Ziele mit weniger Aufwand erreichen, weil ich mein Verhalten und meine Worte ändern kann, um da hin zu kommen, wo ich hin will. Indem ich ein aktiver Zuhörer bin und die Körpersprache beobachte, bin ich auch in der Lage, meinem Subjekt zu zeigen, dass ich ihm tatsächlich zuhöre und seine Kommentare, Anliegen, Ideen und Fragen berücksichtige.

Früher wurde mir manchmal erst nach einem Shooting klar, was ich verpasst hatte, sprich: worauf ich nicht geachtet hatte und was mir gar nicht aufgefallen war. Es hat eine Zeit gebraucht, bis ich in der Lage war, intuitiv wahrzunehmen, was mit meinem Motiv nicht stimmte oder warum ich keine Verbindung zu ihm hatte. Das waren die Momente, nachdem mir der Mensch vor meiner Kamera gesagt hatte, dass ihm kalt war oder er nervös sei. Ich hätte aufmerksam sein und die Situation ändern sollen.

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DU bist der Regisseur, der Animateur, der Choreograf…

6. Hör niemals auf zu lernen

Es gibt immer neue Fertigkeiten zu erlernen und Techniken, die sich Fotografen aneignen müssen. Das ist eine Lektion, die mir das Leben und die Welt um mich herum beigebracht haben.

Wenn du bis hierhin gelesen und aufgepasst hast, hast du vielleicht schon etwas gelernt – das heißt, du arbeitest zusammen, kommunizierst, zeigst Einfühlungsvermögen und übst gute Zuhörfähigkeiten – wirst du erkennen, dass sich die Welt weiterentwickelt. Menschen entwickeln sich, Dinge ändern sich. Trends kommen und gehen – zum Glück. All dies bedeutet, dass auch du dich weiterentwickeln musst. Ich spreche von den Menschen und der Tatsache, dass Menschen und ihre Werte und Prioritäten und Ängste und Befürchtungen sich weiterentwickeln. Also pass auf. Werde nicht zu einem Dinosaurier. Wir alle wissen, wie das mit denen ausgegangen ist.

Du hast es bis hierhin geschafft und bist nicht eingeschlafen? Dann konntest du vielleicht mit dem einen oder anderen Absatz etwas anfangen. Ich hoffe es. Danke fürs Lesen!

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