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15 Fotografie Lektionen & Tipps

Üben, üben, üben... ist der Grundsatz aller Dinge, die man gut machen möchte. Hier gibt's zusätzlich noch ein paar Infos, die du mitnehmen kannst und die dich hoffentlich noch lange begleiten

Üben, üben, üben… ist der Grundsatz aller Dinge, die man gut machen möchte

Hier gibt’s zusätzlich noch ein paar Infos, die du mitnehmen kannst und die dich hoffentlich noch lange begleiten.

Im Laufe der Jahre erfährt man von Hobby-Fotografen, aber auch erfahrenen Kollegen immer wieder Dinge zum Thema Fotografie, die manch einer schon kennt, manch einer aber gerne schon viel früher gerne gelernt und gewusst hätte.  Das sind teils Dinge, die man noch gar nicht kannte, andere, die man durch Erfahrung und tägliches Üben lernt.

Ich habe versucht, für jeden etwas Sinnvolles zu verfassen und hoffe, es ist auch für jeden etwas Brauchbares und Nützliches dabei. Vielleicht hilft dieser Artikel dem einen oder anderen, sich vor Anfängerfehlern zu schützen und dass er ihn/sie/es ein bisschen weiterbringt. Ich freue mich, wenn du etwas Neues lernst (wie ich es immer noch jeden Tag mache!).

Lektion 1: Idee, Planung und Umsetzung

Es ist absolut nichts Falsches daran, sich großartige Fotos anzuschauen, um sich kreativ inspirieren zu lassen. Mach dir Gedanken, welche Art von Fotos du erstellen möchtest und wie du sie umsetzen könntest. Dann mach dich an die Arbeit. So ziemlich jede meiner besten Aufnahmen – gerade im Bereich innovative und kreative Produkt- und Food-Fotografie – ist das Ergebnis tage- oder sogar wochenlanger Planung. Okay, manchmal passiert es auch einfach, dass ich ganz spontan und unvorbereitet eine geniale Szene oder ein Model zum Fotografieren finde. Das ist aber eher selten. Mach jedes Foto zu “deinem”, egal, ob es sich um eine etwas andere Lichtsetzung oder eine andere Komposition handelt, mach es einfach individuell.

Lektion 2: Das Histogramm ist KEINE Spielerei

Wenn du dir nur fünf oder zehn Minuten Zeit nimmst, um zu lernen, wie du das Histogramm verwendest, kann dies einen erheblichen Unterschied in deiner Fotografie bewirken. Ich persönlich benutze das Histogramm meistens, wenn ich raus gehe und Fotos mache. Ich verwende es zum Beispiel, wenn wir eine Hochzeit begleiten, um sicherzustellen, dass das Kleid der Braut nicht überbelichtet ist und der dunkle Anzug des Bräutigams nicht “absäuft”. Ich verwende es, wenn ich Landschaften bei schwachem Licht fotografiere, um sicherzustellen, dass ich genug Licht “sammle” usw. Lerne, das Histogramm zu verwenden.

Lektion 3: Lerne, den Blitz von der Kamera aus drahtlos auszulösen

Wenn du deinen Aufsteckblitz einfach mal von der Kamera lässt (ihn “entfesselt” verwendest), ändert sich die Art deiner Lichtsetzung dramatisch zum Besseren. Gerichtetes Licht wirft einen angenehmen Schatten auf das Motiv und hebt die natürliche Form des Gesichts hervor. Wenn du noch nicht gelernt hast, wie man den Blitz entfesselt auslöst und noch keinen Funkauslöser besitzt, tut es für den Anfang durchaus ein günstiges Set mit Sender und Empfänger für 20 oder 30 Euro. Die Dinger funktionieren meist recht zuverlässig. Die Kameraeinstellungen musst du gar nicht ändern. Setze einfach den Auslöser auf den Blitzschuh deiner Kamera (den “doppelten Haken” an der Oberseite deiner Kamera) und montiere den Empfänger an der Unterseite eines beliebigen Blitzes. Das ist alles was es braucht. Mach ein Foto und dein Blitz wird ausgelöst.

Lektion 4: Lerne, den aktiven Fokuspunkt zu ändern

Für die meisten (aber nicht alle) Fotografien empfehle ich die Verwendung eines einzelnen Autofokuspunktes, anstatt der Kamera die Auswahl mehrerer Punkte zu überlassen. Wenn viele Fotografen lernen, einen Fokuspunkt zu setzen, verwenden sie oft nur den zentralen Fokuspunkt. Dazu fokussieren sie auf das Auge des Motivs oder auf einen gewünschten Punkt in einer Landschaft und stellen das Bild dann neu zusammen, während der Auslöser halb nach unten gedrückt wird. Das nennt man “Verschwenken” oder auch “reframing”. Nach der Auswahl der richtigen Komposition wird das Foto durch drücken des Auslösers erstellt. Wenn du dich mit dem Handbuch deiner Kamera mal 10 Minuten beschäftigst und lernst, wie du den Fokuspunkt änderst, wirst du mit ziemlicher Sicherheit einen viel größeren Prozentsatz deiner Aufnahmen im Fokus haben.

Lektion 5: Stative: “Kauf richtig, kauf einmal”

Ich höre immer wieder von Fotografen, dass sie sich wünschten, sie hätten ihr Geld nicht mit billigen Stativen verschwendet. Die Billig-Angebote mögen wie gute Angebote aussehen, aber du wirst am Ende vier oder fünf kaufen, bevor du dich am Ende endgültig für ein wirklich gutes Stativ entscheidest, das dein Leben lang halten wird. Wenn du dir nicht sicher bist, welches Stativ du kaufen sollst, schau dir ruhig Testberichte an, oder frag andere Fotografen nach Tipps und vor allem Erfahrungen. Die besten Ratschläge können dir hier sicherlich Landschaftsfotografen geben. Die haben die Dinger auch bei rauen Bedingungen im Einsatz.

Spickzettel für Einsteiger, zum ausdrucken und immer dabei haben

(Klicke auf die Bilder, um sie zu vergrößern)
Spickzettel für Fotografie-Einsteiger

Fotografen Spickzettel Belichtungsdreieck
Fotografen Spickzettel Schärfentiefe
Lektion 6: In der Fotografie geht es WIRKLICH um Komposition und Licht

Viel zu viel Fotografen verbringen gerade am Anfang viel zu viel Zeit mit technischen Details und hoffen, dass sich ihre Fotografie dadurch verbessert. In der richtig großartigen Fotografie geht es aber um interessantes Licht und starke Komposition. Alles andere ist nur eine Kirsche auf der Sahne.

Lektion 7: Manueller Modus

Es gibt absolut keinen Grund, sich vor dem manuellen Modus zu fürchten. Einfach einschalten und anfangen zu spielen – du wirst schnell herausfinden, wie es funktioniert. Wenn du weißt, was Verschlusszeit, Blende und ISO-Wert sind und wie sie miteinander im Zusammenhang stehen, lernst du schnell, wie man manuell fotografiert. Der größte Fehler, den Anfänger bei der Aufnahme im manuellen Modus begehen, ist möglicherweise, dass sie schon beim ersten Mal mit einer guten Aufnahme rechnen. Der manuelle Modus ist ein Prozess von Versuch und Irrtum. Mit der Zeit wirst du besser und schneller werden beim Beurteilen der korrekten Einstellungen, aber du musst auch die Tatsache akzeptieren, dass für jedes Setup einige Versuche erforderlich sind.

Eine kleine Hilfe in Form von Spickzetteln findest du weiter oben. Am besten ausdrucken und immer in der Fototasche dabei haben.

Lektion 8: “Bounce Flash”

Viele Fotografen kaufen einen Blitz gleich zusammen mit ihrer neuen Kamera, aber die meisten Anfänger richten den Blitzkopf gerade auf das Motiv und drücken ab. Das gibt bei Menschen meist rote Augen und bei Tieren gerne mal ganz komische Sachen. Wenn du den Blitz gegen die Zimmerdecke oder eine Seitenwand richtest und so das Licht quasi “über Bande” – also indirekt – auf das Modell treffen lässt, bekommst du deutlich weicheres und schmeichelhafteres Licht. Das ist eigentlich unglaublich leicht zu lernen, aber viele Fotografen trauen sich einfach nicht, es einfach mal auszuprobieren. Licht ist Physik, das heißt: Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel. Wer des Englischen mächtig ist, dem empfehle ich immer sehr gerne das folgende Video von Joe Edelman:

The Inverse Square Law

Lektion 9: Belichtungskorrektur

Ich muss zugeben, dass ich selbst eine Weile gebraucht habe, bis ich die Belichtungskorrektur verwendet habe. Als ich vor mittlerweile 42 Jahren mit der Fotografie angefangen habe, gab es sowas in den Spiegelreflex_kameras noch nicht. Das kam erst später, aber dann war die Belichtungskorrektur ein sehr beliebtes Hilfsmittel.  Ich hatte damals anfangs das Gefühl, dass ich bereits “matschig in der Birne” wurde, als ich versuchte, die Blende zu verstehen. Daher war der Gedanke, die Belichtung in der Blendenpriorität zu ändern, eine schwierige Aufgabe, als ich anfing. Irgendwann habe ich es aber tatsächlich ausprobiert und war froh, dass ich es tat! Die Belichtungskorrektur ist einfach eine Möglichkeit, der Kamera mitzuteilen, dass die ausgewählte Belichtung nicht deinen Wünschen entspricht. Du spielst einfach ein wenig mit den Einstellungen deiner Kamera, um ein helleres (z. B. +1 oder +7 Belichtungskorrektur) oder ein dunkleres Bild (z. B. -1 oder -7 Belichtungskorrektur) zu wählen. Du stellst die Belichtungskorrektur ein, und die Kamera wählt dann die Einstellung für die richtige Belichtung aus und fügt dann ein wenig Helligkeit hinzu oder entfernt sie entsprechend der von dir gewählten Belichtungskorrektur. In unseren Workshops haben wir zur Verdeutlichung immer Reis auf einem weißen Blatt Papier oder Kaffeebohnen auf schwarzem Karton benutzt, um unseren Teilnehmern die Funktionsweise zu verdeutlichen.

Lektion 10: Es ist kein “Betrug”, Photoshop zu verwenden

Ich bin mir durchaus bewusst, wie wichtig die digitale Bildbearbeitung in unserer Fotografie ist. Ein befreundeter Fotograf sagt: “Meine Fotografie ist nichts Neues, meine Fotografie ist Kunst. So wie ein Maler alles, was er möchte, in ein Bild einfügen kann, habe ich das Gefühl, dass ich mit meinen Fotos in Photoshop alles tun kann, solange ich nicht lüge und den Leuten sage, dass es eine Darstellung der tatsächlichen Szene ist.” Wenn du dich noch nicht oder noch nicht viel mit Photoshop beschäftigt hast, findest du im Internet unzählige Videos und Anleitungen dazu.

Einer der besten und umfangreichsten YouTube-Kanäle ist für mich der Photoshop-Guru Unmesh Dinda (PiXimperfect), der mit gerade einmal Anfang 20 einen fantastischen YouTube-Kanal aufgebaut hat und neben Grund- und Anfängerwissen immer wieder Tipps und Tricks vermittelt, die selbst ich nach 20 Jahren Photoshop noch nicht kannte. Du findest seinen YouTube-Kanal hier: PiXimperfect

[Update:] Dreh nicht zu sehr am HDR-Rad (-Regler) (Zusatz-Tipp von Gerald Rehbach via Facebook)

Lektion 11: Kauf keine weitere Ausrüstung, bis du mit der Ausrüstung, die du bereits hast, an die Grenzen kommst

Immer wieder, ja jeden Tag, sehe ich zum Beispiel in Facebook-Gruppen Beiträge von Anfängern, die fragen, welches Objektiv sie kaufen sollen, weil das 18-55-Kit nicht scharf genug ist. Ich bin absolut ehrlich: Ich habe noch nie einen Fotografen getroffen, der weniger als ein Jahr Erfahrung hat und der besser ist als das Objektiv. Ich sage nicht, dass deine Bilder nicht durch ein schärferes Objektiv etwas besser werden können, aber ich sage, dass es ungefähr 100 wichtigere Dinge gibt, die ein Anfänger beherrschen muss, bevor irgendjemand merkt, dass sein Bild weniger scharf ist, weil es mit dem Kit-Objektiv aufgenommen wurde. 99% der Schärfeprobleme, die ich sehe, werden durch schlechte Aufnahmetechnik verursacht und nicht durch ein billiges Objektiv. Wenn der Fotograf die Grundlagen beherrscht, ist eine neue Linse eine wichtige und gute Investition, und die Schärfe wird sich definitiv verbessern. Dasselbe gilt für viele andere Teile der Fotoausrüstung. Es ist nicht notwendig, 3.000 Euro an Studioausrüstung zu kaufen, es sei denn, du hast bereits gelernt, wie man ein oder zwei günstige Studioblitze bis zum Letzten ausreizt. Es ist auch nicht wirklich nötig, ein Makroobjektiv für 1.500 Ocken zu kaufen, wenn du mit einem Nahfokusfilter die Grenzen noch nicht erreicht hast. Du brauchst auch keine Canon 5D Mark IV, um bessere Bilder zu machen, wenn du mit der Kamera, die du hast, noch nicht das Limit erreicht hast. Ich liebe Ausrüstung, ja. Aber es schüttelt mich immer wieder, wenn ich Fotografen sagen höre, dass sie sich durch ihre Anfängerausrüstung eingeschränkt fühlen, wenn sie in Wirklichkeit nur rausgehen und mehr üben sollten.

Lektion 12: Ein Reflektor für 15 Euro verbessert deine Fotografie mehr als eine 1.000-Euro-Portraitlinse

“Lichtstärke ist alles!” Ich bin immer wieder erstaunt über die Anzahl der Fotografen, die ihr Geld in ein 1.000 Euro 1.8-Objektiv investieren, bevor sie sich zum Beispiel einen einfachen Systemblitz für 60 Euro zulegen oder einen günstigen Studioblitz für 150 Euro. Klar, ich liebe es auch, zum Fotohändler meines Vertrauens zu gehen und ein neues Objektiv mitzunehmen (wer nicht?), aber wenn du wirklich etwas tun willst, damit deine Bilder besser werden, nimm ein wenig Geld in die Hand für einen Reflektor oder anderes günstiges Beleuchtungszubehör und experimentiere damit herum. Es gibt tonnenweise Möglichkeiten, was du damit anstellen kannst.

Lektion 13: Lass dir eine Anzahlung geben, bevor du ein Shooting buchst

Ich muss jedes Mal wieder grinsen, wenn ich höre oder lese, dass mal wieder ein “Profi-Fotograf” kurz vor dem Suizid ist, weil ein Kunde die Rechnung nicht bezahlt oder kürzen will. Ist mir auch schon passiert. Ich musste den harten Weg gehen: Von der Mahnung über den Mahnbescheid, den Vollstreckungsbescheid, bis hin zum Haftbefehl gegen den Schuldner. Ich habe mein Geld am Ende vom Gerichtsvollzieher bekommen, aber das Ganze hat sich über ein Jahr hingezogen und mich Nerven, Geld und Zeit gekostet. Passiert mir seitdem nicht mehr. Deswegen, und um solche Querelen zu vermeiden: Schließe vor dem Auftrag einen Vertrag mit dem Kunden ab, und lass dir eine Anzahlung geben, bevor du deinen Shooting-Termin fest vergibst.

Lektion # 14: Mach viele verschiedene Aufnahmen, verschwende aber keine Zeit, 10 Kopien derselben Szene zu machen

Ich gebe zu, dass diese Lektion ein wenig kontrovers ist. Viele Fotografen (darunter viele großartige Fotografen) machen gerne 10 oder 15 Aufnahmen von jeder Situation oder Szene. Ich persönlich möchte gerne sicherstellen, dass sich jedes Bild, das ich mache, von dem vorherigen unterscheidet, auch wenn der Unterschied nur geringfügig ist. Wenn ich eine Szene sehe, fotografiere ich sie einmal, analysiere das Bild, korrigiere meinen Winkel oder ändere die Belichtung leicht ab und shoote dann erneut. Statt den Auslöser mit “spray and pray” und “Dauerfeuer” von ein und derselben Szene zu quälen, ändere ich gerne jede Aufnahme, während ich die Szene beobachte. Das macht mich langsamer, aber ich fotografiere eben auch bewusster und am Ende wesentlich effektiver. Arbeite bei deiner Fotografie wie ein Chirurg, der jeden Skalpell-Schnitt vorher gut überlegt hat.

Lektion 15: Lerne, worauf du achten musst, wenn du eine Gruppe von zwei oder mehr Personen fotografierst

Unglaublich wichtig! Achte bei der Aufnahme eines Gruppenfotos, wenn du eine geringe Schärfentiefe verwenden möchtest (sprich: den Hintergrund unscharf haben willst), auf die Person, die der Kamera am nächsten ist. Dies gilt auch zum Beispiel für Paarfotos, wo sich eine Person etwas vor der anderen Person befindet. Oft und gerne wird der Fehler gemacht, sich auf jemanden in der Gruppe zu konzentrieren, der eine oder zwei Reihen weiter hinten steht (die vermeintliche Mitte), aber das macht die ganze Aufnahme meist unscharf. Mit der Zeit lernst du, dich IMMER auf die Person in der Gruppe zu konzentrieren, die der Kamera am nächsten ist.

Fotografen Spickzettel Schärfentiefe

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Dein

Hochzeitsreportage

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