“IT’S ALL ABOUT THE GEAR” – oder “Wer hat den Längsten?”

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Digitale Fototechnik entwickelt sich heutzutage so brutal schnell, dass man denken könnte, in einem oder zwei Jahren ist alles, was wir heute kennen, hoffnungslos veraltet und man kann damit keine Bilder mehr machen. Viele “Fotografen” benutzen gerne den Satz “Der Fotograf macht das Bild, nicht die Kamera.”… Dann holen sie die 5.000 Euro Kamera aus der Tasche, packen ein 2.000 Euro Objektiv und einen 500 Euro Blitz drauf, geben mit ihrem tollen Setup an und diskutieren über Canon vs. Nikon vs. Sony und weiß der Geier, wie der ganze Mist heißt. Dann werden auch noch die mit dem Anfänger-Equipment belächelt.

Im Grunde und im Kern ist eine Kamera doch nichts anderes als ein Hilfsmittel, ein Werkzeug, um Licht einzufangen. Und sogar, wenn die Technik so bescheuert geworden ist, dass du nicht einmal mehr selbst fokussieren musst, weil deine Kamera ja schon weiß, was du vorhast – es ist immer noch das Motiv, was zählt. Die Komposition, das Licht… Überraschung! Das funktioniert mit JEDER Kamera! Geil, oder?

Aber natürlich ist es nicht so einfach, sonst würden wir heute alle noch mit Einweg-Kameras rumlaufen oder mit dem Smartphone knipsen. Warum müssen wir also tausende von Euros für High-End-Material ausgeben? Nun, bestimmt auch, weil’s einfach Spaß macht. Ich meine – Geld ist zum ausgeben da. Also warum nicht ein bisschen Geld zusammensparen und ab und zu mal auf die neueste Technik upgraden? Kein Thema. Und selbstverständlich musst du als professioneller Fotograf Fotos in guter technischer Qualität abliefern, außer du bist einer von diesen durchgeknallten neumodischen “Fine-Art-Artists”. 🙂

Oder wie der berühmte Ansel Adams sagte: “Es gibt nichts Schlimmeres, als ein scharfes Foto von einem unscharfen Konzept” – was nur bedeutet: Konzentriere dich nicht so sehr auf dein Equipment, dass du vergisst, worauf es wirklich ankommt. Zuerst kommt deine Vision und deine Kreativität, dann irgendwann die Technik.

Das Equipment, welches wir gebrauchen, spielt nur eine kleine Rolle. Vielmehr kommt es darauf an, es zu beherrschen.
– Sam Abell –

Ich habe so viele “People-Fotografen” gesehen, die in einem 2-Stunden-Shooting 1.000 Bilder fabrizieren, nach jedem Bild auf das Display ihrer Kamera starren und sich nicht die Bohne mit ihrem Model beschäftigen. Mit der Person, die die Hauptrolle spielt – die Person, das Motiv, um das es geht. Traurig. Nicht nur für das Model – vor allem für die Ergebnisse.

Ich glaube fest daran – nein, ich weiß – wenn du mit einfachem Material arbeitest und je eingeschränkter deine technischen Möglichkeiten sind, desto besser wird deine Fotografie werden. Nimm dir eine einzige Festbrennweite, so dass du dich bewegen musst und dir Gedanken über deinen Bildschnitt, deine Perspektive, deine Bildkomposition machen musst. Kauf dir eine analoge Kamera und schieß einfach eine Rolle Film, so dass du dir jedes Mal, bevor du auf den Auslöser drückst, Gedanken machen musst. Warum? Weil… wenn du dir selbst beibringen kannst, wie du auch das letzte Quentchen Leistung aus der Kamera (egal welche) herausholen kannst, wird dich das zu einem so viel besseren Fotografen machen.

Btw: Blende 8 ist Blende 8. Egal, ob mit der alten analogen Praktika von 1970 oder mit der neusten Sony A9. 1/125 Belichtungszeit ist 1/125 Belichtungszeit.

Und bevor jetzt jemand kommt und sagt “Ich brauche aber unbedingt 24, 36 oder 50 Megapixel” – nein, brauchst du nicht. Erst recht nicht, wenn du bedenkst, dass locker 99% aller Fotos auf durchschnittlichen Monitoren oder auch Smartphones betrachtet werden. Egal, ob sie bei Facebook, Google+, 500px oder sonstwo landen. Selbst, wenn du deine Fotos in “hoher Auflösung” auf deine Webseite packst und sie dir auf einem 27″ iMac ansiehst, sehen selbst 10 Megapixel Fotos geil aus. iPad? Sorry, aber dessen “super high resolution Retina Display” mit 2.048 Pixeln entspricht gerade mal 3 Megapixel. Das bekommt so ziemlich jede Kamera hin.

Genug von der Technik. Was letztendlich wirklich zählt, ist nicht die Technik, sondern WIE DU SIE NUTZT. Was wirklich tolle Fotos ausmacht, ist dein Auge, deine persönliche Vorstellungskraft, deine Kreativität, deine Liebe und deine Leidenschaft für die Fotografie und wenn du Menschen fotografierst, natürlich deine Kommunikation mit dem Individuum, dem “Subjekt” vor der Kamera. Immer vorausgesetzt, du beherrschst die Basics wie Blende, Verschlusszeit blind und ohne in die Bedienungsanleitung zu sehen. 😉

Hinweis: Wenn du Kohle genug hast, weil du zum Beispiel einen hochbezahlten Job hast und du betreibst die Fotografie als ein Hobby, geh los und kauf dir all den neuen und teuren Scheiß, den der Markt zu bieten hat. Das wird dich zu einem überragend besseren Fotografen machen. Beachte den Blödsinn da oben nicht, weil du weißt ja: It’s all about the gear. Der Rest von uns wird dir dankbar sein, dass durch deine Hilfe die Preise niedrig bleiben.

Wie immer: Wenn dir meine Gedanken und meine Worte gefallen oder sogar ein bisschen weitergeholfen haben, würde ich mich freuen, wenn du diesen Artikel mit Anderen teilst. Dann hat sich auch meine Arbeit gelohnt. Danke.

Dein

Hochzeitsreportage