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Ich bin sicher, ihr seid richtig „awesome“ und erfolgreich. Ich bin sicher, ihr macht mehr Sport, trinkt mehr Wasser, esst mehr Gesundes und habt bestimmt auch eine gesündere Hautfarbe als wir durchschnittlichen Jungs und Mädels von nebenan. Ihr habt das Internet übernommen mit euren „How-tos“ und viele Leser und Zuhörer hängen an euren Lippen.

Wenn ich auf alles hören und mir alles zu Herzen nehmen würde, was gerade so in den Top-20-Motivations-Blogs so angepriesen und empfohlen wird, wäre ich sicherlich auch bald einer von diesen unaufhaltsamen Unternehmern ohne Privatleben und Yoda-ähnlichen Tendenzen. So toll Yoda auch sein mag, ich mag es lieber, in Sätzen zu sprechen und zu schreiben, die mehr als vier oder fünf Wörter enthalten. Ich ziehe auch gerne kleidsamere Klamotten an, als einen alten, abgewetzten Mantel.

Ich weiß, ihr schreibt eure Artikel bestimmt mit den besten Absichten. Ihr schreibt sie in der Hoffnung, all eure tollen Erfahrungen, die ihr gemacht habt, all die Lektionen, die ihr in eurem erfolgreichen Leben gemacht habt, mit der ganzen Welt zu teilen. Ihr spürt, dass die Menschen immer auf der Suche nach einem besseren, erfolgreichen Leben sind und von euren tollen Lehren profitieren können.

Das ist bestimmt bei einigen von uns so. Ganz sicher.Skills are cheap, passion is priceless

Aber bei vielen von uns auch nicht. Manche sind gerne die Schluffies, die mittags um 12 Uhr aufstehen, sie mögen auch mal nen Hamburger bei der Schnellbraterei um die Ecke, ein Stück Schwarzwälder Kirsch nachmittags zum Kaffee, oder die Klamotten aus dem KIK, die nicht zwangsweise vom Designer stammen, aber trotzdem Schutz vor Nacktheit in der Öffentlichkeit bieten. Sie mögen auch ihr Mittelklasse-Einkommen, das ihnen immerhin ein erfülltes Leben mit Familie und Freunden ermöglicht. Hey, und vielleicht mögen sie sogar den Kegelclub und Billig-Urlaub am Ballermann.

Viele haben sicherlich Ziele und Träume, aber es ist auch okay, wenn sie trotz aller Bemühungen kein Bill Gates, Mark Zuckerberg oder Steve Jobs (okay, der lebt jetzt nicht mehr, das will ja auch keiner) werden.

Manche lesen eure Posts und Lebensweisheiten und denken, „Verdammte Sch… Bin ich jetzt ein Loser, weil ich nicht jeden Tag meditiere oder im Fitness-Studio meinen Körper ertüchtige? Bin ich ein jämmerlicher Versager, weil ich nicht mehr Risiko eingehe, meinen sicheren Job hinschmeiße und mich selbständig mache?“

Ihr seht, eure Artikel vermitteln uns den Eindruck, dass wir nicht gut leben, wenn wir nicht reich, erfolgreich und ständig 100% glücklich sind. Aber die Wahrheit ist doch: Keiner von uns ist ständig 100% glücklich, und für viele ist es der größte Erfolg, dass sie für ihre Familie sorgen können und ihre Freizeit mit Freunden verbringen können. Viele genießen nicht den Luxus, alles hinschmeißen und neu anfangen zu können, und vielen geht es richtig gut im Chaos ihre täglichen Lebens. Deren Leben braucht kein „Projekt-Management“.

Schöne Grüße,

jemand, der Yoga einmal ausprobiert und wieder aufgegeben hat.

Wie immer: Wenn dir meine Gedanken und meine Worte gefallen oder sogar ein bisschen weitergeholfen haben, würde ich mich freuen, wenn du diesen Artikel mit Anderen teilst. Dann hat sich auch meine Arbeit gelohnt. Danke.

Dein

Hochzeitsreportage